Diese Babys aber auch

Die Nacht zu Freitag war sehr unschön. Perlchen und unser kleiner, Parti, sind krank. Husten, Schnupfen, Fieber. Zumindest Perlchen hatte Fieber. Parti war noch in der Vorstufe, erhöhte Temperatur, was so manches Mal schlimmer und unangenehmer für den Betroffenen ist. In der Nacht zu Freitag quälte er sich. Er weinte, jammerte und fand nicht zur Ruhe. Ich war bei ihm, streichelte seinen Rücken, nahm ihn hoch, lief mit ihm umher, legte mich mit ihm hin und schschte dabei. Ein Zäpfchen mit Wirkzeit später hatte er es dann geschafft und schlief ruhig und fest den Schlaf der Gerechten.

Nichtsdestotrotz war ich am nächsten Tag natürlich entsprechend ko. Ich war im Homeoffice, Perlchen hatte Geburtstag und rannte in seiner neuen Feuerwehruniform umher und löschte überall Brände, als es klingelte: die Nachbarin aus der Wohnung über uns. Ich stand in der Tür und sie schenkte unserem hausinternen Feuerwehrmann einen leicht abschätzigen Blick als er sich in voller Montur neben mich stellte. Dann begann sie zu reden: „Das Baby hat letzte Nacht aber sehr viel geschrien und war laut“. Ich sagte ihr, dass ich es weiß. „Es waren zwei Stunden“. „Ich war dabei. Wir haben den Ausschalter noch nicht gefunden“. Dann bekam ich einen richtig guten Tipp von ihr: „Vielleicht das nächste Mal das Baby beruhigen“. Leider musste ich ihr mitteilen, dass wir unser Kind nicht schreien lassen. Das überzeugte sie nicht ganz, denn sie hat „selber 5 Kinder groß gezogen“. Damit war dann alles klar. Sie hat den absoluten Durchblick. Als ich mitteilte, dass Parti krank ist und wir dahingehend unser Bestes geben, konnte sie mir noch einen Lichtblick mitgeben: „Irgendwann hat man den Dreh raus“. Ich konnte nur noch ein „Ah“ erwidern, bevor ich ein wenig erzürnt die Tür schloss. Mein Mann fragte anschließend, wer an der Tür war und ich erzählte ihm vom Tür tête-á-tête. Das stieß, nicht anders zu erwarten, auf Missmut bei ihm.

Mich ärgert besonders, dass es eine Person ist, die selbst Kinder und schon Enkelkinder hat. Eine Person, von der ich meinen möchte, dass sie Verständnis dafür hat, dass Kinder weinen und schreien. Eine Person, die mir vor Kurzem im Hausflur noch sagte, dass sie verwundert sei, unsere Kinder nie zu hören.

Da frage ich mich, wieso sie das verwundert, wenn diese doch stets ruhig und leise sind, wenn man den Dreh erstmal raus hat?!

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