Gestern waren Perlchen und ich zu Besuch bei meinen Großeltern. Wir sehen uns nicht all zu oft. Es liegt auch ein wenig an der Entfernung, da es eine Fahrt von gut zwei Stunden ist, jeweils hin und wieder nach Hause. Wir aßen lecker Kuchen, Perlchen nahm zuvor gleich seine Uroma in Beschlag und gemeinsam holten sie Spielsachen aus dem Obergeschoss. Perlchen mag es sehr in einem Haus Treppen zu laufen und alles zu erkunden. Also taten die beiden das. Wir redeten über so ziemlich alles. Meine Großeltern fragen, wie es ist, wieder zu arbeiten nach meiner kurzen Elternzeitpause, wie es für meinen Mann zurück bei der Arbeit ist und fragten nach Videos und Bildern von Parti. Ich hatte natürlich gleich das eine und andere parat.
Wir unterhielten uns auch über den Hausbau. Ich berichtete von den nächsten Stationen, die anstehen und welche Schwierigkeiten wir schon hatten. So sagte ich auch, dass ich durchaus verstehe, dass es für Beziehungen eine echte Herausforderung sein kann, ein Haus zu bauen. Gerade zu Beginn, als es um die Finanzierung ging, war viel Spannung zwischen meinem Mann und mir. Es geht um viel Geld und als Laie zu verstehen, was alles bedeutet, ist auch nicht leicht. Mein Mann verstand es schneller und hat mir ein ums andere Mal erklärt, was bei einigen Sachen gemeint ist. Nebenbei gab es aber weitere Hausangelegenheiten abzusprechen, was zusätzlich zu Druck und Spannungen führte. Ich bin sehr froh, dass wir das nicht ganz alleine machen, sondern mit meiner Schwester und meinem Schwager. Die Themen werden auf mehreren Schultern aufgeteilt.
Besonders freue ich mich auf den Wohn-/Essbereich. Ich hatte mal durchgezählt und wenn wir zu einem Geburtstag vollständig wären, und damit meine ich uns vier, die Familie meiner Schwester, die Familie des Bruders meines Mannes, meine Eltern und Schwiegereltern, sind knapp 20 Personen anwesend. Bisher waren wir es zwar nicht, aber dennoch müssten diese erstmal platziert werden. Daher ist es meine größte Freude und auch mein größter Anspruch an unser neues Heim, dass annähernd diese Horde bei Tisch Platz findet, ohne, dass Bewegungsverbot herrscht, weil es einfach unmöglich wäre. Davon mal abgesehen, dass wir (noch) nicht ausreichend Stühle haben. Auch das erzählte ich meinen Großeltern. Meine Oma schmunzelte dabei. Bevor sie in ihr Haus zogen, war es auch bei ihnen knapp mit dem Essbereich bemessen. Auch sie freute sich auf den Platz im Haus, der kommen würde und genoss es, bei ausgezogenem Tisch, an alle Ecken des Zimmers kommen zu können. Sie verriet auch, dass sie die ersten drei, vier, fünf Jahre im Haus jeden Abend, bevor sie ins Bett huschte, eine Runde um den Tisch im Wohnzimmer lief. Sie hatte dies aber nie einem erzählt, weil sie es selbst ein wenig sonderbar fand, bis gestern.
Auch, wenn sich sicher einige bei einem größeren Lebensraum darüber freuen, bequemer und komfortabler Gäste empfangen zu können, habe ich in dem Moment gedacht, dass meine Oma und ich wie aus einem Ei und eben eine Sauce, eine Familie sind. Das ist sicher vererbt. Daher auch die gezielte Freude für den gleichen Punkt, bedenkt man die unzähligen, die ein Hausbau mit sich bringt. Und die Tatsache, dass ich ihr zudem noch einen Pullover von sich abluchsen konnte.