Die letzten drei Wochen waren turbulent. Es fing zunächst harmlos an. Perlchen und Parti waren in der Kita, wir nach unserem Urlaub arbeiten. Am Donnerstag der ersten Woche wurden wir angerufen und durften Parti abholen, er hat Husten. Ehrlicherweise dachten wir, wenn wir einen Anruf bekämen, dann wegen Perlchens laufender Nase. Am Freitag war mein Mann daher mit ihm zu Hause. Das Wochenende kristallisierte sich dann heraus, dass auch Perlchen angeschlagen ist und sich eine schöne Erkältung Bahn bricht. Ich hatte beschlossen, da es auch Parti nicht wirklich besser ging, sich der Husten in Schnupfen umwandelte, mit den beiden zu Hause zu bleiben. Ich informierte also frühzeitig am Sonntag per Mail meine Vorgesetzten, damit wir Montag alle schön ausschlafen konnten.
Wegen der verstopften Nasen und rauen Hälse war die Nacht nicht besonders gut und ich bei Zeiten wach. Als ich aufstand und mich im Spiegel betrachtete, sag ich sogleich, woher das Gefühl, mein Auge nicht richtig aufzubekommen, kam – es war dick und geschwollen. Ich überlegte also was ich tun sollte und meldete mich zunächst krank. Meine Mutter riet mir, mit Augen sollte nicht gespaßt werden, zur Notfallsprechstunde des Augenarztes ihres Vertrauens zu gehen. Da sie selber gerade krankgeschrieben war, ich möchte betonen, dass wir im Allgemeinen recht fitte, vitale und gesunde Familie sind, konnte ich Parti auf dem Weg zu ihr bringen und hatte so nur Perlchen bei mir beim Arzt. Das Ergebnis war recht unspektakulär, es ist ein Pickel im Auge, eine Salbe bekam ich aber dennoch. Somit sollte das schnell vergehen und ich wieder den Durchblick haben. Jetzt heißt es, dass die Kinder wieder keimfrei werden müssen. In der Nacht zu Dienstag merkte ich es allerdings schon, das nächste Unheil wartete, der Schnupfen attackierte mich. So kam es, dass ich wieder einen Arzt aufsuchte, dieses Mal den Allgemeinmediziner, und ich für den Rest der Woche Ruhe verordnet bekam. Am Mittwoch waren dann beide Kinder wieder in der Kita und die Ruhe konnte losgehen. Sie hielt nur bis Donnerstagvormittag, denn da durfte ich Parti erneut abholen. Den vorhergesagten Husten hatten wir zu Hause mit ihm glücklicherweise nicht mehr und er konnte sich voller Energie mit mir am Freitag erholen. Nachmittags stand dann noch ein tolles Kitasommerfest an mit viel Spaß und Spiel.
Am Wochenende hatten mein Mann und ich dann unseren ersten Hochzeitstag. Unsere Kinder waren von Samstag bis Montag bei den Großeltern abgegeben und wir machten nur, wonach uns der Sinn stand, wann uns der Sinn stand. Wir liefen Händchen haltend spazieren, waren im Tierpark in aller Seelenruhe, versackten auf dem Sofa und redeten, ohne unterbrochen zu werden, ich inhalierte…ein Traum. Wir genossen es in vollen Zügen.
Am Montag holten wir die Kinder nach der Kita ab, wir hatten noch frei, und ich fuhr mit Perlchen zum Kindersport. Als wir da waren und langsam begannen zu spielen, merkte ich, dass seine Mimik nicht war wie sonst. Ich schaute ihn mir genau an und sah, dass seine linke Gesichtshälfte hing. Ich wollte keine Panik verbreiten und rief zunächst meinen Mann an, der mit Parti zu Hause spielte, und informierte ihn. Die ganze Sportstunde über beobachtete ich Perlchen ganz genau und ich merkte, wie mir bewusst wurde, dass ich mit ihm heute Abend ins Krankenhaus fahre. Nachdem wir noch Abendessen von zu Hause holten, fuhren wir in die Kindernotaufnahme. Wir wurden nach Untersuchungen stationär aufgenommen und sollten die kommenden zwei Tage dort verbringen. Die Organisation, wie wir an Waschzeug, Schlafanzüge, Wechselsachen kommen, lief reibungslos: mein Mann packte, mein Vater holte es ab und brachte es uns. Am Dienstag sollte Perlchen eine Lumbalpunktion erhalten, um Zeckenbisse, Herpes und einiges Anderes als Ursache auszuschließen oder zu bestätigen. Er wurde dafür unter Narkose gesetzt und musste anschließend so viel wie möglich ruhig liegen. Mittwoch durften wir nach Hause und Perlchen war erschöpft. Sein Rücken und Kopf taten weh, die Eindrücke mussten verarbeitet werden und die Lähmung bestand weiterhin. Donnerstag und Freitag waren besonders schlimm, so dass er sich morgens auch übergeben musste und kaum saß er drei Minuten am Tisch, übermannten ihn die Kopfschmerzen und er musste sich hinlegen.
Samstag ging es langsam bergauf und wir luden die Großeltern für den Nachmittag zum Krankenbesuch ein. Das war eine Freude und er war sehr agil, klagte nicht über Schmerzen, auch, wenn er saß. Es war toll. Sonntag kamen dann seine Tante und sein Onkel mit Pepito und Polette. Er spielte so viel, tobte und schwitzte.
Allmählich setzt sich alles, was los war: die Erkältungen, der Hochzeitstag, die plötzliche Gesichtslähmung, seine Schmerzen nach dem Eingriff und wie diese Beschwerden langsam verschwinden. Ich bin in ruhigen Minuten, wenn ich alleine bin, manches Mal den Tränen nahe, wenn ich darüber nachdenke, dass das einem Dreijährigen passieren muss, der wenig versteht, was vor sich geht und der einfach nur spielen möchte. Es geht ihm wieder gut, sehr wahrscheinlich geht die Lähmung nach einiger Zeit von alleine weg und vergessen wird er es vermutlich auch. Nach der Traufe sind das die ersten Sonnenstrahlen.