Perlchen ist sehr sozial und spielt gerne mit anderen. Beim Entwicklungsgespräch wurde uns auch mitgeteilt, dass er sich in der Kita, wenn seine Freunde nicht da sind, zu anderen Kindern gesellt und dort Anschluss findet. Er mag andere Kinder bzw. mit ihnen zu spielen. Es ist immer schön mit anzusehen, wenn sich diese kleinen Knirpse annähern und miteinander warm werden. Und Pepito, sein Cousin, ist sein Lieblingsfreund.
Wir hatten drei Tage Besuch. Ein Freund meines Mannes ist mit seinem Sohn Milo zu uns gekommen. Er ist auch drei Jahre alt. Anfangs waren sie schüchtern, dann tauten sie auf. Als sie ankamen gingen wir in den Tierpark und auf dem Spielplatz war das Eis allmählich gebrochen, auf der Heimfahrt im Kinderwagen konnten sie dann schon ausgiebig erzählen und Quatsch machen. Toll, toll, toll! Sie hatten viel Spaß zusammen und am zweiten Abend, kurz vor dem Abendbrot, tobten sie wild und laut lachend in Perlchens Zimmer. Dann gab es Abendbrot und anschließend wollte Milo noch spielen. Er durfte 15 Minuten, sagte sein Vater, bevor er für das Bett fertig gemacht wird. Perlchen wollte daher auch spielen. Normalerweise darf er nach dem Zähneputzen noch ein wenig Fern schauen, eh wir im Bett noch gemeinsam ein Buch lesen. Daher stellten wir ihn vor die Wahl: spielen oder Fern sehen. Er wollte spielen, mit Milo. Dieser wollte aber nicht mit ihm, sondern seinem Papa spielen. Er nahm sich Spielzeuge aus Perlchens Zimmer und ging damit ins Wohnzimmer. Wir versuchten Perlchen zu erklären, dass er allein spielen muss, da Milo gerade mit seinem Papa spielen möchte, mein Mann und ich aber aufräumen und Parti für das Bett bereit machen müssen. Er verstand nicht, wieso Milo nicht mit ihm spielen möchte und dann, warum er nicht mitspielen konnte. Er ging ins Wohnzimmer und sah dort Milo mit dem Dino aus seinem Zimmer spielen. Traurig sagte er ihm, dass der Dino in sein Zimmer gehört, aber Milo reagierte darauf nicht. Wir fragten Perlchen daher nochmal und er entschied sich für das Fern sehen, da er nicht alleine spielen wollte. Es tat uns sehr leid für ihn. Ich denke nicht, dass er verstanden hat, warum Milo nicht mit ihm, sondern seinem Vater spielen wollte, auch, wenn wir versuchten, es zu erklären. Ein Glück schien das aber schnell vergessen und am nächsten Morgen trennten sich dann die kleinen Wege wieder mit der Heimfahrt des Besuchs. Wir traten ebenfalls eine Reise an und fuhren zum 60. Geburtstag der Tante meines Mannes.
Als wir ankamen, waren schon einige Gäste da und auch eins von zwei weiteren Kindern – Lincoln. Es gab eine Hüpfburg und viel Platz zum Laufen, Rennen und Spielen. Zuerst aßen wir eine Kleinigkeit und gingen anschließend zur Hüpfburg. Nach kurzer Schüchternheit hopsten Perlchen und Lincoln gemeinsam und alberten mit Parti herum, der außerhalb der Hüpfburg lachend den beiden zusah. Nach einiger Zeit kam dann auch Elfriede, das zweite Kind, das noch geplant war. Lincoln und Elfriede sehen sich häufig, spielen viel miteinander und sind gute Freunde. Beide sind fünf Jahre alt. Als Elfriede kam, wurde der Kinderfuhrpark in Angriff genommen: ein elektrisches Auto und ein Motorrad. Perlchen ist mit so etwas bisher einmal gefahren und entsprechend spannend war es natürlich. Lincoln schnappte sich das Auto, Elfriede das Motorrad. Perlchen wollte im Auto mitfahren und so fuhren sie aus der Garage heraus und schlugen den Weg zur Hüpfburg ein. Da Lincoln aber nicht wollte, dass Perlchen sein Beifahrer ist, hielt er an, Perlchen musste aussteigen und sie fuhren weiter. Perlchen rannte hinterher, rief, sie sollen auf ihn warten und als sie bei der Hüpfburg waren, stiegen sie aus und vergnügten sich dort. Perlchen ging nun davon aus, dass er fahren darf. Elfriede und Lincoln sahen dies vollkommen anders, kamen von der Hüpfburg und stellten sich vor die Fahrzeuge, nahmen sogar die Schlüssel aus den Autos. Perlchen hat gelernt, dass man teilen soll. Mit Parti teilt er Spielsachen, mit Pepito und Polette teilt er, mit Freunden teilt er. Nicht immer fällt es ihm leicht und nicht immer macht er es von selbst, aber im Großen und Ganzen setzt er es um. Daher verstand er nun überhaupt nicht, wieso er nicht fahren darf und fing sehr bitterlich an zu weinen. Mein Mann tröstete ihn sofort und gemeinsam suchten sie eine andere, tolle Spielmöglichkeit. Als erneut eine Situation eintrat, in der Lincoln nicht teilen wollte und das, obwohl Perlchen ihm ein anderes Spielzeug gab, auf das er eigentlich gewartet hatte, und auch ich versuchte, Lincoln zu sagen, dass geteilt wird, stampfte Perlchen frustriert mit dem Fuß auf. Selbst Elfriede ergriff dieses Mal Partei für ihn, aber Lincoln interessierte es nicht. Ich nahm Perlchen an die Hand und sagte ihm, dass Lincoln nicht unser Freund ist und wir so gar nicht mit ihm spielen wollen. Schnell fand er in seinem Opa einen neuen Spielkameraden.
Es ist sehr schwer mit anzusehen, wie die Welt, gefühlt zumindest, für mein Kind zusammenbricht, wenn etwas Unerklärliches passiert, wenn andere ihn ärgern, obwohl er nichts getan hat, wenn er Ablehnung erfährt und nicht versteht, wieso, wenn er einfach traurig ist, obwohl er nur spielen möchte. Wie kann ich ihn dabei am besten unterstützen und was sagen? Vor allem aber: Wie verhindere ich, dass er wieder wegen solcher Dinge traurig ist? Kinder können so grausam sein!