Als mein Mann und ich uns kennen lernten, war uns beiden schnell klar, dass wir dasselbe von der Zukunft möchten: heiraten, Kinder, zusammen sein. Zwei dieser Dinge haben wir bereits, an der dritten arbeiten wir, hoffentlich, noch eine ganze Weile. Momentan kommt noch ein Hausbau dazu. Klassischer geht es nun kaum. Tatsächlich bestand kurz keine Einigkeit in der Reihenfolge des Heiratens und Kinder Bekommens. Mein Mann, ich beschrieb es letztens schon so, hatte den Flitz, dass wir vor den Kindern unbedingt den Bund für das Leben eingehen sollten. Ich war da anderer Meinung bzw. habe ich die Notwendigkeit der Eheschließung als Voraussetzung für Kinder nicht gesehen. Zudem wollte ich auch gerne auf meiner Hochzeit einen oder zwei Heben können. So sagte ich es immer. Gemacht habe ich es schlussendlich doch nicht.
Ich bekam den Antrag als ich mit Parti schwanger war. Unsere Vorstellung war dann, wenn auch er wenigstens ein Jahr alt ist, zu heiraten. Dann können beide Kinder abends zu den Großeltern und wir können am Tag nach der Hochzeit ausschlafen. Wir hatten auch schon unsere Location mehr oder weniger gewählt. Kurz vor und nach der Geburt bekamen wir dann eine verdauenswerte Nachricht nach der anderen. Meine damalige Schwiegermutter in spe erkrankte schwer. Die Prognose stand in keinem allzu hellen Licht. Mein Opa war zuvor schon gesundheitlich am Kämpfen und die Diagnose verschlimmerte sich und plötzlich ging es auch meiner Oma sehr schlecht. Was genau ihr fehlte, konnte nicht festgestellt werden und so hieß es, abzuwarten und zu schauen, was ihr hilft. Kurzerhand beschlossen wir also schnellstmöglich zu heiraten, in meiner Geburtsstadt, damit auch meine Großeltern dabei sein können. Wir planten zügig und fanden einen tollen Trauort, ein Kloster, einen sommerlichen Termin und dazu noch eine gelungene, schöne, ausgefallene Location. Wir vertrauten sehr auf die Planung und die Vorschläge, die wir durch die Partyplanerin der Location bekamen und durch sie mussten wir uns auch um Blumen keine Gedanken machen. Innerhalb von drei Monaten, vom Beschluss schnellstmöglich zu heiraten, bis zur Hochzeit, stand die Party. Es war schön und fast alle, die wir einluden, feierten mit uns.
Es ging bergauf. Meine Oma war wieder fitter, meine Schwiegermutter und auch mein Opa waren auf einem, zunächst nicht vermuteten, guten Weg. Zum Ende des Jahres und auch zu unserem ersten Hochzeitstag mussten wir daran denken, dass wir Angst hatten, dass diese drei Menschen vielleicht, hätten wir gewartet, nicht mit uns hätten feiern können und nun sind sie wieder recht agil. Mein Opa hatte noch einiges auszustehen und immer wieder waren Tiefs dabei, bei denen wir bangten. Jedes Mal wurde er wieder aus dem Krankenhaus entlassen und jedes Mal, wenn wir ihn sahen, wirkte er vielleicht nicht mehr so stark, wie früher, aber fröhlich und unterhielt uns wie gewohnt mit Geschichten und Anekdoten. Anfang Juni waren wir zu Besuch, ich berichtete, dass meine Oma mir anvertraute, dass sie zu Beginn ihres Wohnens im eigenen Haus abends eine Runde um den großen Wohnzimmertisch drehte. Und einen Monat später zum Richtfest waren sie mit meiner Tante und meinen Onkel auch dabei. Meine Freunde sagen oft, dass sie es toll und bewundernswert finden, dass unser Familienzusammenhalt so stark ist und wir uns bei unseren großen Meilensteinen unterstützen. Das stimmt!
Freitagmorgen bekamen wir von meiner Mama die Nachricht, mein Opa sei ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sobald sie mehr weiß, gibt sie uns Bescheid. Kurz darauf rief sie an, weinend, mein Vater und sie fahren hin, es sieht nicht gut aus. Meine Schwester und ich schlossen uns kurz und nach nochmaliger Rücksprache mit meiner Tante, sattelten auch wir unser Gefährt und traten die Reise an. Als wir am Krankenhaus ankamen, gingen wir sofort zu ihm und beinahe alle waren da, die da sein sollten, meine Cousine steckte noch im Stau und traf kurz nach uns ein. Wir wussten, dass er nicht mehr aufwachen wird und auf der Fahrt hofften wir nur, dass wir uns noch verabschieden können. Das konnten wir. Wir saßen den Tag über zusammen, an seinem Bett, erzählten und hielten immer wieder zwischendrin inne. Gegen halb neun abends fuhren meine Eltern, meine Schwester und ich allmählich nach Hause, meine Oma wollte bei meinem Opa bleiben und hatte in seinem Zimmer ein Bett bekommen. Kurz nachdem ich zu Hause ankam, rief meine Schwester an: mein Opa ist gegangen und hat nun seine Ruhe gefunden.
Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich bei der Nachricht meiner Mama am Morgen noch dachte, dass es sicher wieder gut wird und mein Opa sich wieder aufrappelt, wie immer. Aber plötzlich geht das nicht mehr.
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