Kinder hauen Vieles plötzlich heraus. Wo sie das her haben, kann manches Mal nicht genau hergeleitet werden. Wie auch? Wir wissen nicht, was in der Kita genau be- und gesprochen wird, was andere Kinder sagen oder aber , wie ein Hörspiel Wort für Wort lautet, geschweige denn, dass ich mir haarklein merke, was ich sage. Daher ist es auch immer überraschend, wenn sie etwas völlig Unerwartetes sagen. Heute hatte ich gleich zwei derartige Situationen.
Heute Morgen, als Perlchen und ich erwachten, er schleicht sich in der Nacht seit einiger Zeit zu uns ins Bettchen, schaute er mich sehr zornig und böse an. Ich fragte ihn, wieso er so guckt und er sagte: „Wir sind böse“. Ich fragte, warum und er antwortete, ganz klar: „Weil wir Bösewichte sind“. Er ist gerade aufgewacht und schon geht es los mit dem Tag, ohne Umschweife ab ins fantastische Spielleben und -denken eines Kindes. Ich mag das sehr und es erfreut mich. Es klingt vielleicht nach einer Plattitüde, aber wenn ich missmutig oder sehr unmotiviert bin und es einfach so ein mmmhhh-Tag ist, müssen meine Kinder nur einfach sie sein, sofern sie nicht selbst so einen Tag gerade haben, und schon lächle ich und es geht mir ein Stück besser.
Der Tag ging dann schön weiter, ich erzählte meinem Mann natürlich sogleich davon, er sollte ja wissen, dass er es mit zwei Bösewichten zu tun hat. Wir lasen Bücher, puzzleten, spielten mit Autos und übten Verstecken spielen. Wir versuchten, teils erfolgreich, Perlchen zu erklären, dass es lustiger ist, wenn er nicht vorher verrät, wo er sich versteckt. Da ihm das doch recht schwer fiel, sollte ich mich immer verstecken. Parti war dabei eine eher kleine Hilfe, da er meist an der Ecke stand, hinter der ich meine Zuflucht suchte. Der Spaß kam dadurch aber keineswegs zu kurz. Nach dem Mittag kam der Schlaf und dann die Vesper. Wenn beide Kinder Mittagsschlaf machen, haben wir unsere Pause und wenn es gut kommt, bis zu drei Stunden zum Nichtstun. Meist sind es um die zwei Stunden, also keineswegs ein Grund, sich zu beschweren. Bei der Vesper saßen Parti, Perlchen und ich zusammen. Ich fütterte Parti und er hatte noch einen Teigschaber in seiner Hand. Momentan, wenn er gefüttert wird, braucht er selbst noch etwas für sich, das ihm das Gefühl gibt, mit zu essen. Den Löffel, der weit praktischer gewesen wäre, um auch das selbständige Essen zu imitieren, verschmähte er dieses Mal. Perlchen sagte dann, er muss auf die Toilette und so rutschte er vom Stuhl und lief los. Gerade als er um die Ecke war, gelang es Parti mit dem Schaber ins Schälchen zu kommen und ich äußerte meinen Unmut. Perlchen kam sofort zurück und fragte, was los ist. Ich sagte ihm, es ist nichts Schlimmes, er solle auf Toilette gehen, dafür ist er schließlich vom Tisch aufgestanden. Er drehte sich um und stapfte davon mit einem „Böse Mama“. Ich war mir nicht sicher, es richtig verstanden zu haben, und fragte nach. Er wiederholte es. Als er wieder am Tisch saß, aß er seine Vesper zu Ende und ich fragte ihn, warum ich eine böse Mama bin. Seine Antwort: „Weil ich das gesagt habe“ und dabei freute er sich. Genau sagen, dass es einen Grund gibt oder welchen, konnte er nicht. Und da er sich darüber auch sichtlich amüsierte, hoffe ich, dass es nicht all zu ernst von ihm war. Mein Mann hatte es am Rande mitgehört und war belustigt.
Kinder schnappen Vieles einfach nebenbei auf, gerade auch in alltäglichen Gesprächen zwischen Erwachsenen. Eigentlich muss ich mich da nicht wundern, wenn unverhofft eine neue Wortwendung aufkommt und sich Bahn bricht. Es ist auch nicht verkehrt, wenn uns dadurch hin und wieder verdeutlicht wird, dass wir genau überlegen sollten, was wir in Gegenwart der neu- und wissbegierigen Gemüter sagen bzw. uns einfach auf zum Teil kuriose Nachfragen einstellen.
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