Unverhofft kommt oft

Ich bin organisiert, ich habe einen Plan und der wird umgesetzt. Wenn er nicht passt, wird er versucht, passend zu machen. Die Aussage „es ist nie der richtige Zeitpunkt für Kinder“ kennen sicher viele. Das haben mein Mann und ich nie gedacht. Wir wollten das erste Kind, dann das Zweite und beide kamen, als wir sie ansetzten. Sicher, wir hatten auch die Fruchtbarkeit auf unserer Seite. Aber wären die beiden drei, vier oder acht Monate später gekommen, wäre es für uns dennoch richtig und passend gewesen.

Oft habe ich darüber nachgedacht, wie es zu einer Upsala-Schwangerschaft kommt. Ich weiß schon, wie das passieren kann, aber meine Frage bezieht sich eher darauf, wie es dazu kommen kann, wenn man es wirklich nicht darauf anlegt.

Seit ich ein Teenie war, kamen meine Tage eigentlich immer pünktlich. Ich habe die Pille genommen, da war es daher irgendwie vorprogrammiert. Als ich sie absetzte, war mein Zyklus auch sofort regelmäßig oder anders gesagt, ich schwanger. Nach Perlchen war auch sofort alles wieder exakt nach Kalender, so dass wir von Tag eins der Überfälligkeit wussten, dass unser nächstes Bündel der Liebe unterwegs ist. Nach Parti ging es gut los. Die ersten Male waren wie in meiner Tracking-App vorhergesagt. Danach lief es nicht mehr so getaktet. Mittlerweile hatte ich mir eine Smartwatch zugelegt und damit auch eine zweite Tracking-App. Es pegelte sich dann so ein, dass spätestens einen Tag vor der Vorhersagung der zweiten App der „Besuch“ kam. Ich hatte nun also eine neue flexiblere Pünktlichkeit.

Vor einer Woche sollte es dann wieder so weit sein. Und Dienstag hatte ich zudem einen Termin beim Frauenarzt für die Spirale. Unsere Familienplanung ist mit zwei Kindern beendet, Haustiere ausgenommen. Laut App 1 sollte es am Samstag, laut App 2 am Montag losgehen. Samstag: nichts, Sonntag: nichts, Montag: nichts. Meine Gedanken begannen zu kreisen. Was nun? Und wenn ich wirklich schwanger bin? Bisher habe ich, wie viele andere sicher auch, naiverweise gedacht, die Wahrscheinlichkeit, selbst ein „Trotz-Verhütung-schwanger“-Fall zu sein, ist sehr oder auch zu gering, mich trifft es eh nicht. Aber irgendjemandem muss es ja passieren. Ich sagte es auch meinem Mann und dass ich mir Sorgen mache. Wir bauen gerade ein Haus, haben die Zimmer geplant und darin keinen weiteren Nachwuchs vorgesehen. Zudem muss dann auch ein neues Auto her. Mein Mann scherzte, versuchte aber auch mir die Angst zu nehmen. Er schlug vor, wie die Zimmeraufteilung neu strukturiert werden könnte, sprach mir gut zu, wie herrlich sich beispielsweise der Schlafmangel die nächsten Jahre weiterziehen wird, dass es aber auch nochmal Elternzeit bedeuten würde und in drei Jahren das Gröbste dann auch geschafft ist (Windeln wechseln, selber anziehen, schlafen,…). Das half. Dienstag früh: nichts. Abends hatte ich den Arzttermin.

Um 08:30 Uhr musste ich los, um Parti in die Kita zur Eingewöhnung zu bringen. Ich überlegte, ob ich auf dem Nachhauseweg gleich einen Schwangerschaftstest hole. Wenn, dann wollte ich es sofort wissen. Als ich kurz vorher auf der Toilette saß, hatte sich das Vorhaben dann erledigt. Ich erzählte es auch gleich meinem Mann. Er gab zu, dass er merkt ein wenig traurig zu sein, aber doch mehr Freude darüber empfindet. Auch ich war sehr erleichtert. Hatte jedoch auch ein etwas komisches Gefühl im Bauch, wo Baby Nr.3 schon knapp zwei Tage in meiner Vorstellung gelebt hat.


Hinterlasse einen Kommentar